Runde 4: Benjamin Dageroth vs. Ferdinand Kieckhäfer (mit Decktech!)

Ich glaube, ich habe eine neue Lieblingsform der Coverage gefunden: Das Featurematch-Schrägstrich-Decktech. Die Sache funktioniert folgendermaßen: Man schnappt sich einen Spieler, der mit einem vielversprechenden Deck gut steht und schaut sich ein Match mit diesem Deck an. Heimlich hofft man, dass der Auserwählte gewinnt, damit man anschließend seine visionären Fahigkeiten (und das Deck selbst natürlich) zur Schau stellen kann. Kleiner Spoiler: Ich hatte vollen Erfolg. Benjamin Dageroth spielt Selesnya Populate, war nach Runde 3 ungeschlagen und bleibt es nach Runde 4. Er spielt gegen Ferdinand Kieckhäfer, der Aristocrats ins Feld führt.

Runde 4 2
Benjamin Dageroth

Der Weg zum Sieg ist allerdings steinig (stellt euch diesen Text als die Columbofolge unter den Feature Matches vor – der Mörder steht fest, aber der Weg zu seiner Überführung ist spannend). Benjamin darf beginnen, muss aber einen Mulligan auf fünf hinnehmen. So eröffnet er auch ein wenig langsamer und legt erst im zweiten Zug Avacyn’s Pilgrim, während Ferdinand mit Thalia, Guardian of Thraben die auf auf Nichtkreaturensprüchen basierende Spielsteinstrategie früh gut ausbremsen kann. So muss er Intangible Virtue für drei Mana spielen, kassiert nebenbei Schaden von Thalia und muss wehrlos mit ansehen, wie Ferdinand Silverblade Paladin mit Falkenrath Aristocrat paart und blitzschnell gewinnt.

Runde 4 1

Benjamin 0 – 1 Ferdinand

Im zweiten Spiel wird die gleiche Anzahl an Mulligans genommen, aber die Verteilung ist gerechter: Beide gehen auf sechs Karten. Und jetzt lässt auch die Konklave die Muskeln spielen. Während Ferdinand in seinen ersten drei Zügen lediglich Champion of the Parish zu bieten hat, eröffnet Benjamin mit Call of the Conclave, gefolgt von Rancor und einem zweiten Call. Als im vierten Zug beide Zentauren angreifen, wirft sich der bereits Champion vor ein Exemplar, um Schaden zu verhinden und Tragic Slip auf tödliche Fallhöhe zu bringen. Das macht aber nichts, denn Benjamin hat auch noch Call of the Conclave Nummer drei.

Runde 4 3
Ferdinand Kieckhäfer

Wohlwissend, dass er schlecht blocken kann, greift Ferdinand mit seinem eben gespielten Falkenrath Aristocrat an. Den vierten Call of the Conclave nimmt er dann aber doch als Anlass, sich ein wenig mehr zu schützen, denn der dazugehörige Angriff bringt ihn auf zwei Leben. Aber theoretisch könnte das selbst gegen drei Zentauren zum Überleben reichen. Ferdinand legt Thalia und gibt den Zug ab. Benjamin greift mit allen drei Kreaturen an. Jeweils eine Kreatur blockt einen Spielstein. Vor dem Schaden opfert Ferdinand Thalia in die Aristokratin, macht sie unsterblich und aktiviert seinen zweiten Tragic Slip. Einen Strich durch die Rechnung macht ihm dann allerdings Selesnya Charm, der dem nominell von Thalia geblockten Zentauren +2/+2 (irrelevant) und Trampeln (ziemlich relevant) verleiht.

Benjamin 1 – 1 Ferdinand

Ein freudiges Ereignis! Beide Spieler starten mit sieben Handkarten! Und dieses Spiel hat es dann auch in sich. Sowohl Ferdinand als auch Benjamin starten ähnlich: Mit zwei Schaden durch ein Schockland und eine Einmanakreatur (Doomed Traveler versus Avacyn’s Pilgrim). Im zweiten Zug wird weiter gebaut: Thalia für Ferdinand, WayfaringTemple für Benjamin. Ein Angriff mit Thalia bringt Benjamin dann zuerst auf 15 Lebenspunkte, in seinem Zug fällt er dann auf 13, breitet sich dafür aber mit Call of the Conclave und dem zweiten Pilger gut auf dem Tisch aus. Der angreifende Tempel wird von Doomed Traveler geblockt, der entgeistert im Friedhof landet.

Runde 4 4

Ferdinand ist jetzt derjenige, der eine Defensive aufbauen muss. Das tut er, indem er dem eben entstandenen Geist zwei Lingering Souls zur Seite stellt und sogar mit dem ohne Einsatzverzögerung angreift. Benjamins Kampfphase sieht ein bisschen beeindruckender aus, denn er spielt vor dem Kampf Intangible Virtue sowie Call of the Conclave und greift anschließend mit Wayfaring Temple und dem älteren Zentauren an. Der Tempel wird wieder am Durchkommen gehindert – ein Geist wirft sich davor. Der Zentaur bringt Ferdinand aber auf 14 Leben. Unter Druck stehend sucht Ferdinand sein Heil in der Offensive. Er bindet Silverblade Paladin an Thalia und greift mit der Legende und einem Geist an (den anderen lässt er zur Tempelwache zurück). Benjamin blockt nicht und sinkt auf nur sieben Leben. In seinem Zug wirft er sich dann in das Rennen, indem er Sorin, Lord of Innistrad spielt, einen Vampir macht und anschließend mit Wayfaring Temple und zwei Zentauren angreift. Wie vorhergesagt versperrt ein weiterer Geist dem Tempel den Weg, aber die beiden Zentauren bringen Ferdinand auf sechs Leben. Das sieht irgendwie für beide Spieler sehr eng aus.

Schweißperlen auf der Stirn bekommen alle Beteiligten (ich bin ein Beteiligter) erneut, als Ferdinand Vault of the Archangel zieht. Er greift mit Thalia und Silverblade Paladin und einem Geist an. Die ersten beiden würden aufgrund ihres Erstschlags kombiniert mit der Vault jeden Blocker bezwingen. Benjamin sieht das und opfert zwei Avacyn’s Pilgrim. Anstatt seine Vault zu aktivieren spart sich Ferdinand sein Mana für den Flashback von Lingering Souls auf. Die beiden verbleibenden Blocker reichen allerdings nicht, denn Oblivion Ring sorgt dafür, dass tödlicher Schaden durchkommt.

Benjamin 2 – 1 Ferdinand

„Ich hatte ehrlich gesagt einfach Lust darauf“, antwortet ein gut gelaunter Benjamin nach dem Match auf die Frage, warum seine Wahl auf so eine unorthodoxe Strategie gefallen ist. „Und außerdem muss ich ja die ganzen Limitedkarten irgendwie verwenden“, merkt er schmunzelnd an. Er sagt, er habe das Deck nicht so viel getestet, wie er es sich gewünscht hätte und sieht es deshalb noch als Alphaversion an. Es kann aber gut sein, dass er etwas gefunden hat, das zur Zeit gut positioniert ist. Das Matchup gegen Aggrodeck sieht solide aus. Selbst gegen Midrange laufen im Moment viele Spiele auf Races hinaus, in denen Druid’s Deliverance sehr stark ist. Gegen Massenvernichter sieht es natürlich schlechter aus, aber ein gut getimtes Rootborn Defenses hilft auch hier.

Benjamins Ansatz gefällt mir auch insofern gut, dass er auf mehrere wichtige Dinge geachtet hat. Seine Kurve ist so niedrig wie möglich und auch im Nichtpopuliermodus funktioniert die Strategie als solides Aggrodeck. Kleine, feine Interaktionen runden das Gesamtpaket schön ab: Mit Intangible Virtue auf dem Feld kann man gleichzeitig angreifen und 8/8er herstellen. Selesnya Charm und Rancor sind super darin, Wayfaring Temple zur Reise in das Gesicht des Gegners zu verhelfen. Hier ist seine Liste, mit dem er mittlerweile sogar 5-0 und somit mit drei viertel Beinen im Finale steht:

2 Grove of Guardian
4 Forest
4 Temple Garden
4 Sunpetal Grove
3 Godless Shrine
4 Overgrown Tomb
2 Woodland Cemetery

4 Avacyn’s Pilgrim
3 Wayfaring Temple

4 Intangible Virtue
4 Rancor
4 Druid’s Deliverance
1 Rootborn Defenses
4 Lingering Souls
4 Call of the Conclave
4 Selesnya Charm
2 Sorin, Lord of Innistrad
2 Garruk, Primal Hunter
1 Thragtusk

Sideboard:
2 Trostani, Selesnya’s Voice
4 Oblivion Ring
2 Rootborn Defenses
2 Sundering Growth
2 Parallel Lives
3 Thragtusk

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